Selbstverteidigung bei Marfan?

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Selbstverteidigung bei Marfan?

Beitrag von adminmarfan » 03 Jan 2007 21:00

Hallo!

Ich habe dieses Thema auch schon unter der Rubrik Schulsport angesprochen, habe aber das Gefühl, dass es dort nicht so vielen Leuten auffällt, deshalb setze ich es hier auch noch einmal rein. Also: Leider habe ich, wenn ich abends mit meinem Mann (Marfan) unterwegs bin, die Erfahrung machen müssen, dass seine Größe (2,05) auf einige äußerst unangenehme Zeitgenossen (z.B. Skinheads) provozierend wirkt. Wir sind schon öfter dadurch in ziemlich unangenehme und gefährliche Situationen geraten. Einmal ist er, als er alleine unterwegs war auch richtig zusammengeschlagen worden. Auf solche Situationen würde ich meinen Sohn (6 Jahre, groß, Marfan) gerne besser vorbereiten. Deshalb auch hier an dieser Stelle meine Anfrage: Wer von Euch hat Erfahrung mit Selbstverteidigung als Marfan, vielleicht sogar mit Kampfsportarten? Welche Kampfsportart könnte in gemäßigter Ausübung (keine Wettkämpfe oder so) vielleicht doch für einen Marfan-Jungen geeignet sein?

Liebe Grüße und ein gutes neues Jahr

cardiolin

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RE: Selbstverteidigung bei Marfan?

Beitrag von adminmarfan » 03 Jan 2007 21:00

hallo cardiolin!
ich kann dir leider keine empfehlung geben, welche selbstverteidigungsart für einen marfan-menschen geeignet wäre, hatte selber nur selbstverteidigung beim schulsport... es gibt aber viele kampfsportarten, die auf selbstverteidigung ausgerichtet sind.
es ist wohl auch wichtig mit welchem partner man trainiert und dass der weiß, was er machen darf und was nicht.
würde mich an deiner stelle zu gegebener zeit mit einem arzt deies sohnes unterhalten, was er bei solchen sportarten vermeiden soll, jedes marfankind ist ja anders "gestrickt".
aber ich hatte einige zeit auf reisen oder wenn ich alleine unterwegs war eine kleine flasche pfefferspray mit, weil ich auch hin und wieder von leuten angepöbelt wurde (sah auffällig aus und kleidete mich nicht nach ihrem geschmack). passiert ist zum glück nichts weiter.

zum schluss möchte ich nur kurz darauf hinweisen, dass ich einige skinheads kenne, und die würden so etwas nie machen, auch keine sprüche oder sonstiges. leider sind sie rein äußerlich kaum von naziskins zu unterscheiden, denen gehe ich aus dem weg!

alles gute
ciao sonja

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Beitrag von adminmarfan » 03 Jan 2007 21:00

Hallo,

ich kann mich nur allzu gut daran erinnern, dass ich in meiner Kindheit oft von Mitschülern verprügelt wurde. Offenbar bin ich nicht die einzige Marfan-Betroffene, die dieses Thema durch ihr Leben trägt.

Ich habe keine Selbstverteidigung gelernt. Heute vermeide ich es möglichst, nachts unterwegs zu sein. Aber ich denke wir könnten dieses Thema im Rahmen der Vereinsarbeit mal aufgreifen. Stellen sich ja die Fragen, inwiefern wir sowas machen können, welche Alternativen wie z.B. das angesprochene Pfefferspray es gibt und vor allem, wie man evtl. Kindern eine Verteidigungsmöglichkeit geben könnte. Man kann sein Kind ja schlecht mit Pfefferspray in die Schule schicken ;-)

Wäre natürlich toll, wenn es hier einige Erfahrungen oder Anregungen geben würde.

Gruß
Steffi

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Beitrag von adminmarfan » 03 Jan 2007 21:00

Ich glaube ja nicht, was ich hier lese...
Wo um Himmels Willen wont ihr denn???
Verprügelt zu werden wegen Marfan, bzw. der Größe..... damit hatte ich noch nie Probleme, außer ein paar dummer Sprüche noch nie Probleme gehabt,,,,,

adminmarfan
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Beitrag von adminmarfan » 03 Jan 2007 21:00

Hallo KleineStern!
Es freut mich sehr, dass Du in dieser Hinsicht noch keine großen Probleme hattest. Leider gibt es Gegenden, die gefährlicher sind als andere, da bleibt es nicht bei blöden Sprüchen. Wir wohnen in einer größeren Stadt im Ruhrgebiet. Hier geraten wir, wenn wir Pech haben, in die Zange zwischen aggressiven muslimischen Gruppen einerseits und Nazi-Skins (danke noch mal für Deinen Hinweis sonni, hast natürlich Recht!) andererseits - und es wird zunehmend schlimmer. Abgesehen davon ist die Gefahr für einen Jungen verprügelt zu werden leider wesentlich höher, als für ein Mädchen. Auch wenn sich das auch schon ändert. Nun ist das zwar eine Sache, die nicht neu ist, dass sich Jungen prügeln, aber die Heftigkeit nimmt in den letzten Jahren rapide zu. Bei einem „normalen“ Jungen ist das schon gefährlich, bei einem Marfan kann diese Art von unfreiwilligem „Kontaktsport“, wie ich es an anderer Stelle auch schon genannt habe, Blindheit oder den Tod zufolge haben. Solche Leute suchen sich Opfer, die Ihnen auffallen. Marfans können es in der Regel nicht verhindern, dass sie auffallen – ergo …
Liebe Grüße
cardiolin

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Beitrag von adminmarfan » 03 Jan 2007 21:00

Hallo @ all

Also ich wohne in Wien und höre oft von Schulkollegen, dass sie sich treffen und irgendwen verprügeln wollen. Bei uns kommt sowas öffters vor aber ich war zum Glück noch nie in einen solchen Streit verwickelt.

Im Kindergarten wurde ich öffters mal herumgeschubst aber das waren alles mehr oder weniger normale Dinge. Jedes Kind kommt ja hin und wieder mal mit irgendwelchen kleinen Wehwechen nach Hause. Aber richtig heftig war es nie. Bis zur Hauptschule konnte ich mich sogar so weit hocharbeiten, dass es Schwächere gab die Angst vor MIR hatten.
Darauf bin ich nicht wirklich stolz aber es erstaunt mich im Nachhinein wirlich sehr. Ich habe oft nur mit Worten und Androhungen den Gewinn davon getragen obwohl mir sehr wohl bewusst war, dass die anderen mir körperlich haushoch überlegen gewesen wären. Aber anscheinend war es ihen nicht bewusst ^^°°°

Hab da viele eigenartige Erfahrungen gemacht, wenn ich so drüber nachdenke. Als ich klein war, war ich sehr empfindlich und hab immer gleich geweint, dadurch war ich ein beliebtes Opfer zum verarschen und für die anderen um ihre eigene Macht zu stärken. Leider hab ich selbst, es später in der Hauptschule auch nicht viel anders gemacht. Irgendwann hab ich mal jemanden kennengelernt, der auf den ersten Blick voll kalt und abgebrüht gewirkt hat. Naja er war auch um einiges älter als ich damals glaub ich. Von ihm hab ich dann gelernt, es zu verbergen, wenn mir zum weinen zumute ist oder wenn ich mich fürchte. Seit dem hatte ich immer weniger Probleme.

Außerdem habe ich erkannt, dass ich zwar viel weniger Ausdauer habe als andere, aber dass ein gezielter stoß mit dem Ellenbogen oder den Fingerknöcheln (die ja bei mir ziemlich spitz sind) gepaart mit einem zutiefst bösen Blick, auch schon sehr viel nutzen. Tja, jetzt hilft mir das wohl eher weniger...ich glaube jetzt mit 20 Jahren bin ich Gleichaltrigen ziemlich ausgeliefert. Aber ich glaub schon, dass man sich mit gezielten Tricks Vorsprung verschaffen kann. Ich hatte in der Hauptschule einen ganz normalen Selbstverteidigungskurs. Und voriges Jahr hatte ich einen Rollstuhlselbstverteidigungskurs. (weil ich seit ca. 2 Jahren außerhalb der Wohnung fast nur noch mit Rollstuhl unterwegs bin) In dem haben wir auch bestimmte "Tricks" gelernt, wie wir dem anderen weh tun können um uns selbst zu retten. Ich fand da Einiges sehr nützlich und ich glaube solche bestimmten Tricks, wo man vielleicht nicht so viel Kraft bzw. Ausdauer benötigt aber die trotzdem gezielt eingesetzt werden können, wären auch für Marfis sehr interessant.

Sorry, dass ich ein Bisschen abgeschweift bin ^^°°°°

Liebe Grüße
syrena

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Beitrag von adminmarfan » 03 Jan 2007 21:00

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adminmarfan
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Beitrag von adminmarfan » 03 Jan 2007 21:00

Hallo,

auch wenn dieser Thread schon ein paar Wochen alt ist, so ist er dennoch nicht unaktuell und ich möchte noch etwas dazu sagen.

Die Hemmschwellen sind drastisch gesunken und die Gefahr von irgendwem angepöbelt und gar angegriffen zu werden ist groß. Schwache, alte oder behinderte Menschen sind da leider keine Ausnahme mehr, im Gegenteil sie werden immer öfter angegriffen, weil sie für den Angreifer eher das kleinere Risiko darstellen. Die Frage, ob man sich nun bewaffnen oder ob man Kampfsport trainieren soll muss und kann nur jeder für sich entscheiden.

Ich selbst habe viele Jahre verschiedene Kampfsportarten trainiert und später auch gelehrt. Insbesondere habe ich auch Selbstbehauptungskurse für Schulkinder und Frauen gegeben. Es sind im Zweifel gar nicht die "Tricks" und "Kniffe" die wir gelehrt haben, die bei den Teilnehmern das Erfolgserlebnis brachten, sondern die Steigerung des Selbstvertrauens. Sich aus der potentiellen Opferrolle zu befreien.

Durch die verschiedenen Ausprägungen und Schweregrade bei Marfanbetroffenen ist es schwer eine generelle Empfehlung für eine bestimmte Sportarten zu geben. Es gibt auch spezielle Kampfsportarten für gehandicapte oder behinderte Menschen (SEZ-Jitsu, Kae-In-Sog-In u.ä.). Interessant ist hier z.B. die Seite http://behinderten-selbstverteidigung.de/ Bei anderen Kampfsportarten sollte man einfach mal zum Training hingehen, zuschauen und sich mit dem Lehrer beraten. Gute Lehrer erkennen die Problematik und geben Rat und Unterstützung und bei schlechten hat man eh nix verloren... ;-)

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Beitrag von adminmarfan » 03 Jan 2007 21:00

Hallo!
In der Kindheit und Jugend wurde ich fast täglich verprügelt, was dazu geführt hat, dass ich heute noch Angst vor Menschen habe und oft Probleme mit anderen umzugehen. Als Kind war ich zwar eine Zeit im Judo-Verein, aber mangels Körperkraft hat mir das bei Angriffen auch nicht geholfen.

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Beitrag von adminmarfan » 03 Jan 2007 21:00

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