I-Kind???

Kinder bis 6 Jahren
adminmarfan
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I-Kind???

Beitrag von adminmarfan » 13 Apr 2010 10:47

Hallo,

ich habe mal eine Frage an euch, die gerade sehr wichtig für uns ist!

Unser Sohn (3,5 Jahre alt) hat das Marfan-Syndrom und besucht als Regelkind einen Integrativen Kindergarten. Ich hatte zu Anfang auch noch garnichts von seinem MS erzählt, ich wollte, dass er so normal wie möglich erstmal aufwächst und die Erzieherinnen ihn erstmal ohne Vorwissen und Vorbehalte kennen lernen können. Doch es fiel ihnen immer mehr seine motorischen Defizite auf, er stolpert häufiger, läuft unsicherer, geht die Treppen noch im Nachziehschritt und nicht im Wechselschritt und muss sich dabei festhalten, ist beim Sport schneller aus der Puste als andere, und und und.

Dann habe ich ihnen von seinem MS erzählt, einfach, damit sie seine Probleme besser einordnen können.

Jetzt möchten sie, dass wir einen Integrationsplatz beantragen, was sicherlich kein Problem darstellen wird, aber was mich wundert, ist, dass sie diesen nicht unbedingt wegen seinem MS haben wollen, sondern, weil mein Sohn nicht immer macht, was man ihm sagt. Er braucht EEEEEEWIG, um sich anzuziehen oder auszuziehen, bzw. er macht es einfach nicht, sondern sitzt 30 min auf der Bank und träumt. Er braucht immer jemanden, der ihn daran erinnert, was er gerade machen soll. Und deshalb bräuchte er im KiGa-Alltag mehr Unterstützung als andere. Was ich auch in diesem Fall nachvollziehen kann. Jetzt zu meiner Frage an euch: Meint ihr er trödelt, weil es ihm motorisch so schwer fällt, sich anzuziehen, sich zu bücken, um die Schuhe zuzumachen etc? Eigentlich kann er es schon, aber irgendwie hat man den Eindruck, er hat keinen Bock! Ist das euren Kindern auch schwerer gefallen? Ich weiß garnicht, wen ich fragen soll.... Weil keiner hat wirklich Ahnung mit Marfan-Kindern... deshalb hoffe ich, dass ihr mir weiterhelfen könnt.

Ich denke, ich werde um einen I-Platz nicht herumkommen, sie sagen, sie können das sonst nicht leisten... Ich hätte ihn gerne als Regelkind im KiGa, aber vielleicht ist es auch für mich ein Umdenken, ich habe eben ein Kind das Unterstützung braucht.

LG, Anja

adminmarfan
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Beitrag von adminmarfan » 13 Apr 2010 10:47

Hallo Anja!

Ich musste deinen Beitrag einige Male lesen und hatte bei jedem Mal einen anderen Gedankengang dabei, zunächst dachte ich, muss denn immer alles bei unseren Kindern auf das MFS geschoben werden, vielleicht ist ja zusätzlich ein ADS vorhanden. Vielleicht ist dein Sohn einfach nur ein Träumer oder etwas bequem und weiss eben ganz genau wie er Erwachsene "rumkriegt" Sachen für ihn zu machen die er eigentlich schon lange selber erledigen könnte.
Aber eigentlich macht mich die Aussage der ErzieherInnen des Kindergartens ärgerlich! Ich habe noch nie davon gehört einen I-Platz für Kinder einzurichten die länger für bestimmte Dinge brauchen, wenn doch ersichtlich ist, dass die es doch können, um einen möglichst reibungslosen Tagesablauf zu erhalten! Gehört es nicht zu den Aufgaben einer Erzieherin Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu fördern und Anreize zu setzen und nicht zu erwarten, das Kinder in dem Alter schon `funktionieren`!
Wenn das Verhalten deines Sohnes tatsächlich auf das MFS zurückzuführen ist (was, wie ich finde sehr schwer nachzuvollziehen ist, da ich ihn ja nicht kenne)und eine intensivere Betreuung helfen kann, ist das natürlich eine gute Lösung mit dem I-Platz.
Habt ihr einen Kinderarzt/ Therapeuten(Ergo,Logo,Physio)den ihr um eine Objektive Meinung bitten könnnt? Versucht es doch mal über diesen weg!
Viel Erfolg bei der Klärung und Entscheidungsfindung und alles Gute
Antje

adminmarfan
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RE: I-Kind???

Beitrag von adminmarfan » 13 Apr 2010 10:47

Hallo Anja,
unser Sohn gehörte früher (er ist inzwischen 21 Jahre) auch zu denen, die ewig vor sich hin träumten und für alles etwas mehr Zeit brauchten, als wir es gerne gehabt hätten. Auch wir mussten im Laufe dieser Jahre umdenken und die Uhr manchmal etwas langsamer laufen lassen. Ob dies jetzt marfanbedingt war oder einfach eine Charaktereigenschaft von ihm, wissen wir bis heute nicht. Er kam nach dem Regelkindergarten in eine Schule für Körperbehinderte, da er ein Kunststoffkorsett wegen seiner starken Skoliose tragen musste, das ihn doch in vielem behinderte. Damals wollten wir vieles zwingen und waren anfangs gar nicht einverstanden, ihn auf "so eine" Schule zu schicken, aber im Lauf der Jahre haben wir eingesehen, dass ihm dieses "Mehr an Zeit" was sich dort für ihn genommen wurde, nur gut getan hat und aus ihm ein wunderbarer Mensch geworden ist. Versucht einfach herauszufinden, was eurem Sohn gut tut und versucht zu ignorieren, was andere denken bzw. was die Norm ist. Alles Gute für euch und euren Sohn.
LG Janni

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RE: I-Kind???

Beitrag von adminmarfan » 13 Apr 2010 10:47

Hallo Anja,
unsere Tochter wird im Mai 6 Jahre. Sie besucht einen ganz normalen Regel KiGa. Ihre " Langsamkeit" ist meiner Meinung nach ihre ganz eigene Art und hat nicht viel mit Marfan zu tun. Anziehen brauchte bisher lange...sie träumte halt so vor sich hin und fand anderes wichtiger. Seit wenigen Wochen zieht sie sich alleine, im Eiltempo an. Jetzt findet sie es wichtig, denn sie kommt im Herbst zur Schule. Aber sie alleine will es jetzt tun( motorisch gekonnt hatte sie es schon längst). Treppenlaufen im Wechselschritt hat sie auch lange nicht gemacht( wohl aber gekonnt). Sie fühlte sich scheinbar anders sicherer. Sie lernt jetzt erst Fahrrad ohne Stützräder zu fahren und mehr als 4-5 m geht auch nocht nicht, ABER ihr fehlte bisher einfach die Kraft in den Beinen. Rundrum lernen die KInder das mit 3 Jahren, was mir persönlich egal ist. Sie hat ihr eigenes Tempo. Sie ist dafür feinmotorisch recht gut "dabei". Sie fädelt schon lange, erst große Dinge und jetzt natürlich Perlen. Stift halten und malen geht auch gut, wobei sie mit den langen Fingern besser mit dicken Schreibgeräten zurecht kommt. Sie beherrscht die Schere zB sehr gut. Aber sportlich ist sie halt etwas langsamer, schneller ausgepowert als ander Kinder. Sie klettert auch gerne herum, aber alles langsam und vorsichtig. Risiko mag sie nicht.
Was ihr wirklich viel gebracht hat, ist das Reiten. Das macht sie seit einem Jahr, erst immer geführtes Reiten, wobei die KInder mit Gurt reiten und nicht Sattel, daduch müssen sie den Rücken zur Balance nutzen und seit 4 Wochen hat sie richtig Reitunterricht( weiterhin auf Shetlandponys ohne Sattel). Das hat bei ihr viel Selbstbewußtsein gebracht. Sie fällt natürlich durch ihre Größe auf, wird älter geschätzt und dann überschätzt. Ihr Bruder, auch MFS, macht auch die ganz normale KiGa und Schulkarriere, mit kleinen Einschränkungen im Sport. Aber ohne extra Förderung. Er sollte halt erst mit 7 in die Schule( weil noch zu verspielt) , aber inzischen ist er auf dem Gymnasium in der 9. Klasse und ist ein guter Schüler.
viel Glück,
Malati

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RE: I-Kind???

Beitrag von adminmarfan » 13 Apr 2010 10:47

Hallo Anja ,
ich schliesse mich dem an was Malati geschrieben hat . Aus eigener Erfahrung weiss ich , das nicht alle Kinder Gleich sind und das ist auch ganz gut so. Ich arbeitete im Kindergarten bis ich meine Kinder bekam (Marco 14; Simon 12; Jana 10) und die Familie manage (Termine ,Freizeit ect. ). Auch unsere Kinder haben alle drei Marfan nur unterschiedlich ausgeprägt . Marco hat es wie im Lehrbuch beschrieben , Simon nicht ganz so schlimm und Jana sieht man bzw. merkt man nichts an. Mit 5 Jahren wurde Marco am Fuß operiert , 3 Monate später an der Trichterbrust trotzdem ging er in einen Regelkindergarten. Auf Anraten haben wir Marco in eine Körperbehinderten Schule eingeschult mit der Option am Regelunterricht in den Hauptfächern mit zu machen . Nach einem Jahr hat man uns nahe gelegt Marco in eine Regelschule ein zu schulen. Er hatte dort ziemlich viel Pech mit der Klassenlehrerin die ihn zu spüren gab das er ein nichts war und nichts kann. Nach der Hauptschulempfehlung haben wir ihn auf die Realschule angemeldet und dort geht er immer noch zur Schule und gehört mit zu den Klassenbesten. Er hat zwar Probleme im Sport (tollpatschig , zu groß (1,96 m),und es läuft nicht alles so rund )aber wenn man will findet man Möglichkeiten ; die Schule und die Lehrer als auch der Kiga müssen wollen . Es gibt halt solche Kinder die sind Überflieger und die Anderen die ein bisschen mehr von allem brauchen . Und mit 3,5 darf ersie noch haben und man weiss Jungs brauchen immer ein bisschen länger.

MfG
Jacqueline

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RE: I-Kind???

Beitrag von adminmarfan » 13 Apr 2010 10:47

entfernt

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Beitrag von adminmarfan » 13 Apr 2010 10:47

Liebe Anja,

auch ich will auf Deinen Beitrag meine eigene Erfahrung beschreiben. Unsere Tochter (mittlerweile schon 11) war im Kindergarten, aber auch in der Schule anfangs immer die Letzte. Ich habe auf die Aussagen der Lehrerinnen und Erzieherinnen kein Acht gegeben. Wenn meine Tochter ab und zu mal traurig war wegen der Tatsache, dass sie immer die Letzte war, habe ich ihr meistens erklärt, dies spiele im Leben gar keine wichtige Rolle, denn jeder Mensch habe sein eigenes Tempo. Jetzt ist sie in Vielem in der Schule, aber auch in anderen Bereichen die ERSTE, sogar im Schwimmunterricht, wo die Trainerin erst behauptete, diesem Kind sei das Schwimmen nicht beizubringen. Jetzt ist sie dagegen der Meinung, die anderen Kinder sollten sich meine Tochter zum Vorbild nehmen. Hauptsache, man lässt sich nicht besiegen vom Klischee-Denken der Erzieherinnen und Lehrer und man baut das eigene Kind selbstbewusst auf. Denn das Selbstbewußtsein der Kinder formt sich hauptsächlich im Elternhaus und nicht anderswo.

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Beitrag von adminmarfan » 13 Apr 2010 10:47

Hallo,

dass man als Marf auch langsamer sein kann, habe ich bis heute nicht gewußt. Mein Sohn (9) ist eher nur faul- indem er sich gern Dinge machen lässt, worauf er keine Lust hat. Lediglich bei den Hausaufgaben, die man gern in 10 min. fertig haben kann, kann man das Ganze durch singen, spinnen, jammern und der Gleichen in die Länge ziehen. Auch war er mit allem motorischen schneller als seine Schwester. (laufen, Fahrrad fahren, malen..)

mfg Karen

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Beitrag von adminmarfan » 13 Apr 2010 10:47

Liebe Anja!
Bin etwas irritiert über deinen Beitrag bzw über das Verhalten der integrativen Kita! Und es macht mich auch wütend! Habe selber schon in einer integrativen Kita gearbeitet, arbeite jetzt in einer integrativen Krippe! Mit 2,5 Jahren wollen die Kinder alles selber machen, mit 3,5 Jahren können sie es zwar, aber die wenigsten haben Bock dazu! Sie müssen eben motiviert werden, das ist natürlich Arbeit, bei dem einen Kind mehr, bei dem anderen Kind weniger! Aber das hat nichts mit Marfan zu tun! Und auch nichts damit, daß deswegen ein Förderplatz belegt werden soll! Meine Tochter (3,5 Jahre) kommt auch in eine integrative Kita. Beim Vorstelungsgespräch stand das Marfan-Syndrom im Mittelpunkt und das Beantragen eines Förderplatzes. Durch den Austausch mit der Kita haben wir aber festgestellt, daß unsere Tochter eigentlich keinen Bedarf hat, es gibt eben Kinder die bedürftiger sind! Es ist natürlich auch bequem für eine Einrichtung ein (in meinen Augen!) relativ normales Kind auf einem Förderplatz zu haben, denn schwerstmehrfachbehinderte Kinder sind definitiv aufwendiger!
Manchmal habe ich den Eindruck, daß die Kinder nicht mehr in ihrer Entwicklung wahrgenommen werden, sondern nur als Endprodukt. Kindheit ist doch Entwicklung und da gibt es kein Chema F! Jedes Kind hat sein Tempo, was auch manchmal Unterstützung erfordert, aber es sollte auch die Möglichkeit haben, alleine voran zu kommen und somit sein Selbstbewußtsein stärken!
Ich weiß nicht, ob du ein gutes Vertruaensverhältnis mit einem der Erzieher hast, aber ich würde da nochmal konkret nachfragen! Wie erlebst du das denn zu Hause, was hast du für eine Wahrnehmung von deinem Sohn?
So, jetzt hab ich genug geschrieben, ich hoffe nicht zu unverständlich!
Ganz liebe Grüße und viel Erfolg, egal in welcher Richtung!
Caroline

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Beitrag von adminmarfan » 13 Apr 2010 10:47

Hallo

Unsere Tochter ist jetzt fünf und besucht seit 2 Jahren einen integrativen Kiga. Anfangs war da "nur" das MFS, das zwar bei ihr ziemlich ausgeprägt, aber nicht bedrohlich war. Beim Gespräch haben wir ihre Erkrankung genau erklärt und der Erzieherin erläutert, welche Probleme eventuell bei unserer Tochter auftreten könnten. Unsere kleine Maus hatte zu diesem Zeitpunkt zwar schon 2 große Herz-OPs hinter ihr, aber es ging ihr verhältnismäßig gut.

Dann kam leider eine gravierende Verschlechterung, die 3 Monate Krankenhausaufenthalt mit sich zog. Wir waren alle froh, dass M. :] es geschafft hat, denn zeitweise sah es sehr schlecht aus. Wieder zurück zu Hause haben wir dann auf Anraten der Personen, die uns betreut haben, eine Integrationshilfe für den Kiga beantragt. Unser kleiner Sonnenschein war zwar körperlich noch sehr schwach, aber sie langweilte sich ohne andere Kinder zu Hause.

Obwohl wir sehr große Angst hatten, unsere Maus "loszulassen", beschlossen wir den Weg zu gehen. M. :] geht jetzt schon über ein Jahr 4 Stunden am Tag in den Kiga. Es ist ständig eine Integrationshelferin / Integrationspädagogin in ihrer Nähe um sie zu fördern und unterstützen.

...(wird fortgesetzt, muss jetzt dringend weg ! ;) lG V.)

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